Flößerpfad Kinzigtal: Mit Michel auf Familienwanderung

von Claudia List

Der Flößerpfad entlang der Kinzig im Schwarzwald führt Familien nicht nur durch die schöne Natur, sondern auch in vergangene Zeiten der Region.

Das schwere Leben als "Verdingbub"

Schon früh am Morgen muss Michel raus, das Vieh zum Weiden führen und aufpassen, dass es im Wald keine jungen Bäume anfrisst. Oft kehrt er erst spätabends zum Hof zurück. Kein Wunder, dass er nachmittags erschöpft einschläft. Eine Katastrophe! Die Kühe fressen sich derweil an den Bäumen des Nachbarn satt. Michel traut sich deshalb kaum zurück zum Bauern, für den er arbeiten muss und dessen Prügel er fürchtet.

Kinder von heute, die im selben Alter wie Michel sind, machen große Augen, wenn sie die Geschichte hören, die sich vor 150 Jahren im Kinzigtal zugetragen hat. Oder zumindest sich so hätte zutragen können, denn es war keine Seltenheit, dass die armen Familien eines ihrer Kinder als sogenannten "Verdingbub" zu einem Bauern geschickt haben.

Auf dem Flößerpfad zwischen Loßburg und Wolfach erfahren Wanderer viel über die damalige Zeit. Michels Geschichte begleitet sie zehn Kilometer weit bis Alpirsbach, von dort bis Wolfach übernimmt Flößersohn Uli. An 30 Hörstation erzählen sie den Kindern Episoden, die man sich als Audio-Datei aufs Mobiltelefon laden oder unterwegs via QR-Code anhören kann. Es gibt auch eine Version für Eltern: Ihnen berichtet neben Flößer Johann auch Knecht Jakob von seinem harten Alltag.

Zu Beginn können sich die Familien jedoch kaum vorstellen, dass hier einmal Baumstämme bis nach Kehl und in den Rhein transportiert – und von dort für die Holzindustrie in die ganze Welt verschifft wurden. Hinter Loßburg schlängelt sich ein schmaler Bach durch ein tiefes, kühles Tal, dessen Hänge von Bäumen und Farnteppichen bedeckt sind. Das Wasser der Kinzig plätschert über Steine und fließt als dünner Film über Felsplatten. Doch mit jedem Meter gewinnt der Bach an Umfang und mit jeder Hörstation erfahren die Wanderer mehr über die Flößerei, die den Menschen ein Auskommen bescherte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als die Eisenbahn den Transport übernahm.

Die Kinder klettern aufs Schaufloß

Dabei war die Arbeit mit dem Holz gefährlich: Unterwegs zeigt ein Schwarz-Weiß-Bild die Schlitten, auf denen das Holz getürmt und zum Fluss transportiert wurde. Angesichts der steilen Hänge drum herum kann man sich gut vorstellen, dass die Waldarbeiter, die vor den Schlitten hergingen und sie mit aller Macht bremsen mussten, auch mal von der Last überrollt werden konnten.

Auf dem Floß war es nicht weniger gefährlich: Wer ins Wasser fiel und unter die Stämme kam, hatte schlechte Karten. Auf dem Weg nach Alpirsbach können Eltern und Kinder die ausgefeilte Technik, mit der viele Baumstämme zu einem gelenkigen Floß für den Transport verbunden wurden, aus der Nähe betrachten und sogar aufs Schaufloß steigen, das hier auf dem Trockenen liegt.

Nach einiger Zeit weitet sich das Tal, Sonnenstrahlen wärmen Boden und Luft und aus dem Farnteppich werden Weiden, auf denen Kühe und Pferde grasen. Immer mehr Bäche stoßen hinzu und machen die Kinzig tiefer und breiter. Nach gut drei Stunden erreichen die Wanderer Alpirsbach. Der Flößerpfad führt weiter bis nach Schiltach und Wolfach, doch für heute ist es genug: Der Bus bringt uns nach Loßburg zurück. Ein gutes Stück Weg und eine kleine Reise in die Vergangenheit zu Michel und Jakob liegen hinter ihnen.

Länge/Dauer

Die Etappe von Loßburg nach Alpirsbach umfasst 10 Kilometer und dauert – bei gemütlichem Tempo mit Hör- und Spielpausen – um die drei Stunden.

Tipp

Auch Geocaching ist auf dem Flößerpfad möglich, GPS-Geräte können in den Tourist-Infos ausgeliehen werden.

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