Im Märchenland der Tropfsteine

von Antje Gerstenecker / www.meehr-erleben.de:

Eine der größten Touristenattraktionen auf der Schwäbischen Alb befindet sich in Sonnenbühl: die Bärenhöhle. Für mich ist ein Besuch der Tropfsteinhöhle so etwas wie ein Heimspiel, denn ich bin ganz in der Nähe aufgewachsen und habe das Gefühl, die Höhle fast in- und auswendig zu kennen. Wann immer früher Besuch von Verwandten, Bekannten, Austausschülern etc. anstand – ein Ausflug in die Bärenhöhle gehört quasi zum Pflichtprogramm. Bis heute komme ich gerne hierher – jetzt eben mit meinen Kindern und ihren Freunden.

Schreck bei der Wiederentdeckung der Bärenhöhle

Genau genommen gibt es in Sonnenbühl gleich zwei Höhlen zu bestaunen, die heute allerdings miteinander verbunden sind. 1834 entdeckte der Erpfinger Lehrer Fauth die Karlshöhle, weil seine Schnupftabakdose beim Sammeln von Heilkräutern, in einen Felsspalt fiel. Als er sie wieder holen wollte, entdeckte er die Tropfsteinhöhle. Bei der näheren Inspizierung, erwartete die Höhlenforscher ein gruseliger Anblick, denn sie fanden zahlreiche Skelette, vermutlich Pestopfer aus dem Mittelalter, die durch die Öffnung geworfen wurden. Noch heute kann man den Spalt (der auch als „Fauthsloch“ bekannt ist) sehen.

Im Märchenland der Tropfsteine

Die eigentliche Bärenhöhle wurde erst viel später, 1949, entdeckt. Beim Beobachten des Fluges der Fledermäuse, stieß der Höhlenführer Karl August Bez auf die nebenan liegende Tropfsteinhöhle. 1950 wurden die beiden Höhlen verbunden und für Besucher zugänglich gemacht. Mit leuchtenden Augen berichtet unsere Führerin, wie sie damals – als 10-jähriges Mädchen – zu den ersten Menschen gehörte, die die Höhle besichtigen durften. "Damals waren die Tropfsteine noch schneeweiß", erzählt sie. "Wir fühlten uns wie in einer Märchenwelt". Überhaupt erzählte sie mit so viel Herzblut und Begeisterung von "ihrer" Höhle, dass man ihr am liebsten noch stundenlang zugehört hätte. In all den Jahren habe ich noch keine emotionalere und schönere Führung durch die Bärenhöhle erlebt, als bei diesem Besuch.

Von Feuerstellen und wilden Tieren: Die bewegte Geschichte der Bärenhöhle

Die Bärenhöhle kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Etwa 2 Millionen Jahre alt, sind die Knochenreste von Säugetieren, die hier entdeckt wurden. Die Bärenskelette, die der Höhle ihren Namen gaben, stammen wahrscheinlich aus der Eiszeit vor ca. 20.000 – 50.000 Jahren. Aufgrund der Knochenfunde weiß man, dass verschiedenste Tiere, darunter Nashörner, Höhlenlöwen und Bären in der Tropfsteingrotte lebten. Sogar Überreste von Feuerstellen wurden entdeckt. Ein komplett restauriertes Bären-Skelett, sowie zahlreiche Knochen sind in der Höhle zu sehen.

Entsprechend spannend ist ein Besuch für die Kinder. Das gleiche "Gänsehautgefühl", das ich früher beim Gang durch die Höhle hatte, kann ich jetzt bei meinen Kindern entdecken. Schließlich kann man ja nie ganz sicher sein, ob sich nicht doch noch irgendwo ein lebendiger Bär versteckt hält.

Faszinierend, wie verschieden Tropfsteine aussehen können, denn jede der sieben Hallen in der Höhle begeistert mit einer anderen Deckenbildung und bezaubert mit immer neuen märchenhaften Tropfsteinformationen und -landschaften.

Viel zu schnell ist die halbstündige Führung durch den 271 Meter langen begehbaren Teil der Höhle vorbei. Ein ganz unerwarteter Höhepunkt der Führung erwartet uns in der letzten großen Halle der Höhle. Einer der Besucher fragt, ob er wohl etwas singen dürfe, um die Akustik der Höhle zu zeigen. Mit seiner wunderbaren Stimme schmettert er eine Arie - und sorgt bei uns allen für Gänsehaut! Was für ein Glück, dass wir genau diese Führung erwischt haben – diesen Besuch in der Bärenhöhle werden wir so schnell nicht vergessen!

Tipp:

Die Höhle ist ganzjährig gleichbleibend kühl – Jacke nicht vergessen! Ein ideales Ausflugsziel für jedes Wetter und ganz besonders für eine angenehme Abkühlung im Hochsommer!

>> Weitere Informationen zur Bärenhöhle